Eine körperhafte Antithese

03 Mai Eine körperhafte Antithese

Bei der Verleihung des 5. Award für Marketing + Architektur am 22. April 2016 im KKL überzeugten die kreative Wortwahl der Architekturbranche und der Auftritt von Anna Rossinelli. Unsere Eindrücke vom Anlass.

Nichts liebt die Marketingbranche mehr, als sich durch die gegenseitige Verleihung von Awards selbst zu feiern. Warum also nicht auch einen Award für Marketing und Architektur? Er dient einem äusserst guten Zweck: Unternehmen und Organisationen einen Anreiz zu geben, bei der Gestaltung ihrer Gebäude den Rahmen des Üblichen, Einfachsten und Günstigsten zu überschreiten und originelle Wege zu gehen.

Wie du wohnst, so bist du

Wer fünfzehn Minuten allein in der Wohnung einer Person verbracht hat, kann diese Person treffender einschätzen, als jemand der fünfzehn Minuten mit der gleichen Person gesprochen hat. Etwas Vergleichbares lässt sich auch über Unternehmen sagen: Zeige mir, wie Deine Arbeitsumgebung aussieht, und ich sage Dir, wer Du bist! Deswegen besuchen wir uns in der Schweiz so gern, bevor wir miteinander ins Geschäft kommen. Ist das auch der Grund, warum Schweizer so ungern Leute in ihre Wohnung lassen?

Aber machen wir uns nichts vor: Es ist nahezu unmöglich, eine Preisverleihung prickelnd und ungewöhnlich zu gestalten. Der Ablauf ist letztlich immer derselbe. Abwechslung bietet dem Zuschauer einzig der Versuch, ein kategorienübergreifendes Muster bei der Auswahl der Gewinnerprojekte zu erkennen zu wollen.

Mal die Grösse, mal die Kürze

Bei den Best of Swiss Web Awards zum Beispiel könnte durchaus die Grösse des Kunden (und damit die Höhe des Auftragsvolumens?) in Verdacht geraten, auf den Erfolg einzuwirken. Wer SBB, Swisscom oder Migros heisst, hat recht gute Chancen.

Bei den verschiedenen PR-Awards in Deutschland erreichte der Schreibende eine Trefferquote von gefühlten achtzig Prozent, in dem er jeweils auf den kürzesten Projekttitel tippte. Die Deutsche Telekom mit dem Projekt „Blurb“? Hat schon so gut wie gewonnen!

Urschweizerisch gewinnt, Europa verliert

Nun, beim Award für Marketing + Architektur dauerte es etwas länger, ein Muster zu erkennen. Auf fiel, dass die paneuropäischen Prestigeprojekte wie die Elbarkaden in der HafenCity Hamburg und der Hauptbahnhof Wien keine Chance hatten.

Am Ende blieb der Eindruck, dass kleine urschweizerische Bauten, wie der Umbau der Scheune von Sontga Crousch am Dorfrand von Riom, die Talstation in Churwalden, und das Bürohaus Wüst und Wüst in Küsnacht die Vorstellungen der Jury am ehesten trafen. Daran ist gar nichts auszusetzen. Im Gegenteil, wenn es diesen Award nicht gäbe, müsste er erfunden werden!

Kreative Wortwahl

Was aber in der Architekturbranche herausragt, ist die Wortwahl! Woher holen sich die Architekten nur diese Adjektive? Von allein fallen sie einem ja nicht ein. Wer kommt auf „körperhafte Antithese“, „volumetrischer Blickfang“ und „rudimentäre Materialität“? Lassen die ihre Textverarbeitungen nachts selbstständig weiterarbeiten?

Fraglos der Höhepunkt der Veranstaltung im KKL waren die Auftritte von Anna Rossinelli und ihrer Band. Was für eine unbändige Leidenschaft an ihrer eigenen Musik! Falls Sie gerade einen Anlass planen: unbedingt Anna Rossinelli einladen! Falls nicht, überraschen Sie Ihren Liebsten oder Ihre Liebste mit Tickets für ein Konzert, denn Anna Rossinelli ist gerade auf Tournee. Nicht entgehen lassen!

 

Bild: Eberhard Zangger

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