Reinhold Messner im Volkshaus Zürich

27 Jan Reinhold Messner im Volkshaus Zürich

War es Goethe, der sagte: „Im Weglassen liegt der Meister“? Und was hat eigentlich Reinhold Messner mit Kommunikation zu tun?

Sehr viel! Messner ist nicht nur der herausragendste Bergsteiger aller Zeiten, sondern war schon immer auch ein extrem erfolgreicher Kommunikator. Über achtzig Bücher, zahlreiche Filme, fünf Museen, Tourneen – seit über vier Jahrzehnten beherrscht Messner die Klaviatur der Selbstvermarktung. Zurzeit tourt er mit seinem Vortrag „überLeben“ durch die Schweiz. Wer einen Bezug zu den Bergen hat, darf sich diese Veranstaltung nicht entgehen lassen. In Zürich war sie ausverkauft – in der Bar des Volkhauses hatten sich zuvor die „Oberen Zehntausend“ der Überachttausender formlos versammelt, darunter die langjährigen Messner-Freunde Oswald Oelz und Peter Habeler. Mit einer von seiner Tochter Magdalena gefühlvoll konzipierten, technisch eher schlichten PowerPoint-Präsentation schafft es Messner, sein Publikum zwei Stunden in den Bann zu ziehen und keine Minute Langeweile aufkommen zu lassen. Der Mann, dem seine Partner lange Egomanie vorgeworfen haben, wirkt dabei keinen Augenblick lang eitel oder selbstverliebt. Keiner hat so viel so früh erreicht wie er. Aber er hat es nicht nötig, sich damit zu schmücken. Mir unvergessen ist ein Radio-Streitgespräch zwischen ihm und einem Alpinismus-Experten, der 1980 noch daran zweifelte, dass es überhaupt möglich wäre, einen Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff zu besteigen. Messner hat den namenlosen Experten in die Mangel genommen. Und jetzt, bei seinem Vortrag, erwähnt Messner den Mount Kailash, den heiligen Berg Tibets, und sagt ganz nebenbei, dass man ihn nicht besteigen dürfe. Mit keinem Wort erwähnt er, dass die chinesische Regierung ihm (und nur ihm) eine Genehmigung zur Erstbesteigung erteilt hatte, er dann aber aus Rücksicht auf die Tibeter auf die Ausführung verzichtete. Im Weglassen liegt der Meister! Narzissten aller Länder – schaut auf diesen Mann!

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