Wenn Investoren über den Brexit philosophieren

24 Mrz Wenn Investoren über den Brexit philosophieren

Die Schroder & Co Bank AG am Central lud am 23. März zu einem ihrer regelmässig durchgeführten Kundenanlässe im kleinen Kreis ein. Im Mittelpunkt des Abends stand das bevorstehende Votum der Briten über den Austritt aus der EU.

Schroder & Co ist eine Schweizer Privatbank und Tochtergesellschaft des weltweit operierenden Vermögensverwalters Schroders, der, wie gesagt wurde, mit rund 3500 Mitarbeitern insgesamt 450 Mrd. US-Dollar Vermögen verwaltet und damit fast an die Grossbanken heranreicht.

Entsprechend gediegen, jedoch ohne den geringsten Anflug von Protz, sind die Räumlichkeiten der Privatbank am Zürcher Central – mit Blick über Limmat und Stadt von der Dachterrasse, wo der abschliessende Apéro riche traditionell stattfindet.

Auswirkungen eines Brexit

Das eigentliche Thema des Anlasses waren die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen eines Brexits. Dr. Ariel Sergio Goekmen interviewte seinen Kollegen Giovanni Leonardo, den Leiter des Investmentmanagements, auf einem kleinen Podium.

Das Resultat des höchst kompetenten und zugleich sehr verständlich geführten Gesprächs lässt sich salopp etwa so zusammenfassen: Nichts Genaues weiss man nicht. Wir wissen weder, was die Brexit-Befürworter mit selbigem eigentlich erreichen wollen, noch wie ihre Strategie für die Zeit nach einem Brexit aussieht.

„Sonderfall Schweiz“ als Referenz

Die nach Brüssel abgeführten EU-Beiträge – 0,5 Prozent des britischen Staatshaushalts – werden wohl kaum der Auslöser der Austrittbemühungen sein. Immer wieder kamen psychologische Aspekte ins Spiel, auch wenn das in England allgegenwärtige Schlagwort „Souveränität“ ausnahmsweise einmal nicht fiel.

Von Anfang an durfte das Publikum Zwischenfragen stellen – und die kamen dann auch unweigerlich. Der „Sonderfall Schweiz“ ist schliesslich eine Referenz in Fragen des Abseitsstehens. Das Spektrum der geäusserten politischen Ansichten im Publikum gab allerdings zu denken – es reichte nämlich von rechtskonservativ bis rechtsradikal.

Befremdende Voten aus dem Publikum

Sollte der Brexit gelingen, könne sich eine UK-CH-Allianz bilden, lautete noch eines der milderen Szenarien aus dem Publikum. Die Frage, wie Nationalstaaten die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft, nämlich Terrorismus, Flüchtlingswellen, Digitalisierung, Disruption in der Finanzindustrie und Klimawandel, bewältigen sollen, blieb dabei Nebensache: Marine Le Pen werde es schon richten, wenn man sie denn liesse, so die Überzeugung eines Zwischenfragers.

Schliessen wir unsere Reflexionen mit einem positiven Gedanken ab: Wie Giovanni Leonardo von den Zwischenfragen zu sachlichen Themen überging, ohne seine Gäste zu verletzen, das hatte grosse Klasse.

 

Disclaimer:

Kommunikation heisst, sich ins Gespräch zu bringen – auf allen möglichen Kanälen und insbesondere an Events. Als mitteilungsbedürftige Kommunikationsexperten, die überdurchschnittlich an Networking- und Branchenevents teilnehmen, juckt es uns unter den Fingern, Gesehenes und Gehörtes zu verbloggen: mal unterhaltend, mal nützlich, aber immer aus einem kritischen Blickwinkel. Gerne schiessen wir bewusst über das Ziel hinaus, um zum Nachdenken anzuregen. Denn genau das ist es, was schönfärberische PR und Unternehmenskommunikation oft nicht tut.

 

Bild: pexels.com

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